Die Idee der Commons (festgeschrieben in der Magna Charta (1215) und der Great Charta of the Forest (1225)) ist besser ausgedrückt mit dem „commoning“, also nicht mit einem Subjekt, sondern mit einem Verb (vgl. Linebaugh). Damit drückt man kein spezifisches Besitzverhältnis aus, sondern vielmehr eine Lebensform, in der Autonomie und die Fähigkeit die eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen in direkter Reichweite der Commoners liegen, und nichts sind, was ihnen (uns) von oben gewährt werden muss.
Im 13. Jhd in Europa ware das Commoning den Menschen in die Wiege gelegt. Es war eines der zentralen Elemente der Sozialordnung, die Menschen haben es als normal, als Teil ihres Lebens betrachtet. Als das Commoning bedroht wurde, hatten sie etwas, woran sie sich erinnern konnten.
Als sich der Landadel dem verschrieb, was wir heute „enclosures“ nennen – also das Schaffen privater Eigentumsrechte – eine Macht, die ihnen vom König verliehen wurde, war Widerstand möglich, eben genau weil Menschen sich in ihrer Lebenszeit oder in der ihrer Eltern und Großeltern einer anderen Lebensform erinnern konnten. Der Widerstand basierte auf der Erinnerung einer früheren Lebensform, der Form des commoning als Möglichkeit, das Leben in die eigenen Hand zu nehmen und es nicht dem König zu überlassen.
Wir sind heute in einer ganz anderen Position. Die enclosures, die Merkantilisierung und Globalisierung haben die Vorstellung der Commons (des Commoning) ausgelöscht und zwar zu einem solchen Grad, dass wir den Kontakt zu diesem kulturellen Gedächtnis verloren haben und uns daher auf nichts beziehen können. Die meisten Leuten können sich als einzig denkbare Lösung für Marktversagen nur Markt, mehr Markt, einen anderen Markt vorstellen.Anders als die Menschen des Mittelalters: Wir haben keine kulturelles Gedächtnis dieser anderen Lebensform mehr, zumindest nicht der Durchschnittsbürger in den USA. Und das ist ein Problem.
Was hat der Markt gebracht? Was hat die Deregulierung, die Dominanz des Privateigentums gebracht. Diese Frage zwingt dazu, uns mit der öffentlichen Bedeutung des Begriffs Privateigentum auseinander zu setzen. Privateigentum ist ja kein privates Konzept, sondern ein öffentliches Konzept. Wir sind diejenigen, die das tun. Wir machen Gesetze, wir halten sie aufrecht oder verändern sie.
Im 21. Jhd sind wir derart vom Rechtspositivismus beeinflusst, dass es schwer geworden ist, an Rechte zu denken, die uns nicht von den Mächtigen gewährt wurden. Aber die Gewohnheitsrechte, die in beiden Chartas bestätigt wurden, wurden von niemandem gewährt, sondern sie wurden schlicht von den Leuten beansprucht. So war der König gezwungen, zu schützen, was sich die Menschen bereits genommen hatten.
„Die Tragik der Commons besteht für mich in der Tatsache, dass wir uns die Commons nicht mehr vorstellen können.“
Aus einem Vortrag von Prof. Louis E. Wolcher am 13. März 2009
Sonntag, 23. Januar 2011
Freitag, 14. Januar 2011
Welt im Bild
Aus:
Günther Anders
Die Antiquiertheit des Menschen Bd.2. Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. 1980
...
2. Wir werden der Fähigkeit beraubt, Realität und Schein zu unterscheiden. –Wenn, wie es sowohl in Rundfunk- wie in Fernsehstücken zumeist geschieht, Schein realistisch präsentiert wird, dann nimmt umgekehrt die (als Sendung nicht anders klingende und nicht anders aussehende) Realität das Aussehen von Schein, das einer bloßen Darbietung an; wenn die „Bretter“ (die angeblich die Welt bedeuten) wie die Welt selbst aussehen, dann verwandelt sich die Welt auch in „Bretter“, also in ein bloßes spectaculum, dass nicht so ernst genommen zu werden braucht. Insofern ist die Bebilderung unseres Lebens eine Technik des Illusionismus, weil sie uns die Illusion gibt und geben soll, wir sähen die Wirklichkeit. Der „spectaculum-Eindruck“, den die Wirklichkeit auf dem Fernsehtisch erzeugt, hat „Rückschlagwirkung“, er infiziert nämlich die Wirklichkeit selbst: Die Tatsache, dass sich Kennedy und Nixon jüngst für ihre Fernseh-Dispute schminken ließen, beweist, dass die zwei nicht nur vom Publikum als „show“ erwartet wurden, sondern dass sie sich selbst bereits als Schauspieler auffassten, dass sie mit Fernseh-Stars in Konkurrenz traten, dass ihre effektive politische Chance von ihrer show-Qualität abhing. Nicht nur die Auffassung der Realität durch das Publikum wird also unernst, sondern die Realität selbst, da sie Rücksicht auf die Bilder zu nehmen hat. Nunmehr wird die Welt zur „Vorstellung“, freilich in einem Sinne, von dem Schopenhauer sich niemals etwas hätte träumen lassen. – Damit im engsten Zusammenhange:
3. Wir bilden unsere Welt den Bildern der Welt nach – „invertierte Imitation“. – Da es kein Bild gibt, das nicht, mindestens potentiell, als Vorbild wirkte, prägen wir effektiv die Welt nach dem Bilde ihrer Abbildungen: Jeder Johnny küsst heute wie Clark Gable. Damit wird die Wirklichkeit zum Abbild ihrer Abbilder (nicht etwa, wie bei Plato, zum Abbild von Ideen).
4. Wir werden „passivisiert“ – Durch die Dauerbelieferung werden wir in Dauerkonsumenten verwandelt. Während wir z.B. als Leser noch selbständig sind, nämlich zurückblättern dürfen und das Tempo des Aufnehmens noch selbst bestimmen können, sind wir nunmehr als pausenloses Seh- und Hörpublikum gegängelt; konsumieren wir, dann haben wir auch das gelieferte Tempo der Lieferung mitzukonsumieren. – Das hatte zwar vom Theater- und Konzertpublikum stets gegolten, wird nun aber zum Verhängnis, weil die spectacula nun mehr pausenlos ablaufen und durch diese Pausenlosigkeit unsere Unselbständigkeit eingleisen.
Anders ausgedrückt: Der Verkehr des Menschen wird auf Unilateralität gedrillt. Da wir gewöhnt sind, die Bilder zu sehen, aber nicht von ihnen gesehen zu werden; Personen zu hören, aber nicht von ihnen gehört zu werden, gewöhnen wir uns an ein Dasein, in dem wir einer Hälfte unseres Menschseins beraubt sind. Wer nur hört aber nicht spricht und grundsätzlich nicht wiedersprechen kann, der wird nicht nur „passivisiert“, sondern eben „hörig“ und unfrei gemacht.
5. Dieser Freiheitsverlust geht aber so vor sich, dass wir nun im Unterschied zu den Sklaven seligen Angedenkens, sogar der Freiheit beraubt sind, den Freiheitsverlust zu bemerken. Denn die „Hörigkeit“ wird uns ja als Unterhaltungsware und als Bequemlichkeit ins Haus gebracht und vorgesetzt.
...
Und hier eine kleine (zugegebenermassen ziemlich notdürftige;-)) Zusammenstellung über die Wechselwirkung von Bild und Realität:
Günther Anders
Die Antiquiertheit des Menschen Bd.2. Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. 1980
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2. Wir werden der Fähigkeit beraubt, Realität und Schein zu unterscheiden. –Wenn, wie es sowohl in Rundfunk- wie in Fernsehstücken zumeist geschieht, Schein realistisch präsentiert wird, dann nimmt umgekehrt die (als Sendung nicht anders klingende und nicht anders aussehende) Realität das Aussehen von Schein, das einer bloßen Darbietung an; wenn die „Bretter“ (die angeblich die Welt bedeuten) wie die Welt selbst aussehen, dann verwandelt sich die Welt auch in „Bretter“, also in ein bloßes spectaculum, dass nicht so ernst genommen zu werden braucht. Insofern ist die Bebilderung unseres Lebens eine Technik des Illusionismus, weil sie uns die Illusion gibt und geben soll, wir sähen die Wirklichkeit. Der „spectaculum-Eindruck“, den die Wirklichkeit auf dem Fernsehtisch erzeugt, hat „Rückschlagwirkung“, er infiziert nämlich die Wirklichkeit selbst: Die Tatsache, dass sich Kennedy und Nixon jüngst für ihre Fernseh-Dispute schminken ließen, beweist, dass die zwei nicht nur vom Publikum als „show“ erwartet wurden, sondern dass sie sich selbst bereits als Schauspieler auffassten, dass sie mit Fernseh-Stars in Konkurrenz traten, dass ihre effektive politische Chance von ihrer show-Qualität abhing. Nicht nur die Auffassung der Realität durch das Publikum wird also unernst, sondern die Realität selbst, da sie Rücksicht auf die Bilder zu nehmen hat. Nunmehr wird die Welt zur „Vorstellung“, freilich in einem Sinne, von dem Schopenhauer sich niemals etwas hätte träumen lassen. – Damit im engsten Zusammenhange:
3. Wir bilden unsere Welt den Bildern der Welt nach – „invertierte Imitation“. – Da es kein Bild gibt, das nicht, mindestens potentiell, als Vorbild wirkte, prägen wir effektiv die Welt nach dem Bilde ihrer Abbildungen: Jeder Johnny küsst heute wie Clark Gable. Damit wird die Wirklichkeit zum Abbild ihrer Abbilder (nicht etwa, wie bei Plato, zum Abbild von Ideen).
4. Wir werden „passivisiert“ – Durch die Dauerbelieferung werden wir in Dauerkonsumenten verwandelt. Während wir z.B. als Leser noch selbständig sind, nämlich zurückblättern dürfen und das Tempo des Aufnehmens noch selbst bestimmen können, sind wir nunmehr als pausenloses Seh- und Hörpublikum gegängelt; konsumieren wir, dann haben wir auch das gelieferte Tempo der Lieferung mitzukonsumieren. – Das hatte zwar vom Theater- und Konzertpublikum stets gegolten, wird nun aber zum Verhängnis, weil die spectacula nun mehr pausenlos ablaufen und durch diese Pausenlosigkeit unsere Unselbständigkeit eingleisen.
Anders ausgedrückt: Der Verkehr des Menschen wird auf Unilateralität gedrillt. Da wir gewöhnt sind, die Bilder zu sehen, aber nicht von ihnen gesehen zu werden; Personen zu hören, aber nicht von ihnen gehört zu werden, gewöhnen wir uns an ein Dasein, in dem wir einer Hälfte unseres Menschseins beraubt sind. Wer nur hört aber nicht spricht und grundsätzlich nicht wiedersprechen kann, der wird nicht nur „passivisiert“, sondern eben „hörig“ und unfrei gemacht.
5. Dieser Freiheitsverlust geht aber so vor sich, dass wir nun im Unterschied zu den Sklaven seligen Angedenkens, sogar der Freiheit beraubt sind, den Freiheitsverlust zu bemerken. Denn die „Hörigkeit“ wird uns ja als Unterhaltungsware und als Bequemlichkeit ins Haus gebracht und vorgesetzt.
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Und hier eine kleine (zugegebenermassen ziemlich notdürftige;-)) Zusammenstellung über die Wechselwirkung von Bild und Realität:
Donnerstag, 6. Januar 2011
WissensBILDung
Diagramme, Tabellen und Kurven sind eigentlich nicht besonders sexy. Dennoch verändern sie die Sicht auf das Klima, auf die Wirtschaft und auf die Welt.
Klimabilder
Am Institut für Kunst und Medien der Universität Potsdam erforscht Birgit Schneider die bildliche Darstellungen des Klimas:
„Eigentlich gibt es das Klima ja gar nicht, sondern nur ein Bild, das wir uns davon machen. Eben dieses Bild werde erst durch Grafiken anschaulich.
Nachrichten von Wirbelstürmen, Wüstenbildung und Hochwasser beherrschen die Nachrichten seit die Klimadiskussion immer höhere Wellen schlägt. In den Medien sind die Wetterkatastrophen Einzelphänomene. Erst wenn sie in Grafiken zusammengefasst und veranschaulicht werden, ergibt sich ein Gesamtbild vom weltweiten Klima.
Durch das Bild, die Grafik konnte die Wissenschaft erst erfassbar gemacht werden und hin- und hergereicht / für politische Zwecke nutzbar gemacht werden. Die Entwicklung (Humboldt) der grafischen Darstellung von Klima geht so auch mit der erstmalige staatlichen Unterstützung von Klimaforschung einher.
Hinter der systematischen Forschung zur Geschichte der Bilder stellt sich dann die Frage, welche Bilder die öffentliche Diskussion bestimmen. Denn mit der Veränderung des Klimas werden die wissenschaftlichen Bilder davon eine immer größere Bedeutung gewinnen und die öffentliche Diskussion formen.
Klimabilder
Am Institut für Kunst und Medien der Universität Potsdam erforscht Birgit Schneider die bildliche Darstellungen des Klimas:
„Eigentlich gibt es das Klima ja gar nicht, sondern nur ein Bild, das wir uns davon machen. Eben dieses Bild werde erst durch Grafiken anschaulich.
Nachrichten von Wirbelstürmen, Wüstenbildung und Hochwasser beherrschen die Nachrichten seit die Klimadiskussion immer höhere Wellen schlägt. In den Medien sind die Wetterkatastrophen Einzelphänomene. Erst wenn sie in Grafiken zusammengefasst und veranschaulicht werden, ergibt sich ein Gesamtbild vom weltweiten Klima.
Durch das Bild, die Grafik konnte die Wissenschaft erst erfassbar gemacht werden und hin- und hergereicht / für politische Zwecke nutzbar gemacht werden. Die Entwicklung (Humboldt) der grafischen Darstellung von Klima geht so auch mit der erstmalige staatlichen Unterstützung von Klimaforschung einher.
Hinter der systematischen Forschung zur Geschichte der Bilder stellt sich dann die Frage, welche Bilder die öffentliche Diskussion bestimmen. Denn mit der Veränderung des Klimas werden die wissenschaftlichen Bilder davon eine immer größere Bedeutung gewinnen und die öffentliche Diskussion formen.
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