Sonntag, 23. Januar 2011

commoning

Die Idee der Commons (festgeschrieben in der Magna Charta (1215) und der Great Charta of the Forest (1225)) ist besser ausgedrückt mit dem „commoning“, also nicht mit einem Subjekt, sondern mit einem Verb (vgl. Linebaugh). Damit drückt man kein spezifisches Besitzverhältnis aus, sondern vielmehr eine Lebensform, in der Autonomie und die Fähigkeit die eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen in direkter Reichweite der Commoners liegen, und nichts sind, was ihnen (uns) von oben gewährt werden muss.
Im 13. Jhd in Europa ware das Commoning den Menschen in die Wiege gelegt. Es war eines der zentralen Elemente der Sozialordnung, die Menschen haben es als normal, als Teil ihres Lebens betrachtet. Als das Commoning bedroht wurde, hatten sie etwas, woran sie sich erinnern konnten.
Als sich der Landadel dem verschrieb, was wir heute „enclosures“ nennen – also das Schaffen privater Eigentumsrechte – eine Macht, die ihnen vom König verliehen wurde, war Widerstand möglich, eben genau weil Menschen sich in ihrer Lebenszeit oder in der ihrer Eltern und Großeltern einer anderen Lebensform erinnern konnten. Der Widerstand basierte auf der Erinnerung einer früheren Lebensform, der Form des commoning als Möglichkeit, das Leben in die eigenen Hand zu nehmen und es nicht dem König zu überlassen.

Wir sind heute in einer ganz anderen Position. Die enclosures, die Merkantilisierung und Globalisierung haben die Vorstellung der Commons (des Commoning) ausgelöscht und zwar zu einem solchen Grad, dass wir den Kontakt zu diesem kulturellen Gedächtnis verloren haben und uns daher auf nichts beziehen können. Die meisten Leuten können sich als einzig denkbare Lösung für Marktversagen nur Markt, mehr Markt, einen anderen Markt vorstellen.Anders als die Menschen des Mittelalters: Wir haben keine kulturelles Gedächtnis dieser anderen Lebensform mehr, zumindest nicht der Durchschnittsbürger in den USA. Und das ist ein Problem.
Was hat der Markt gebracht? Was hat die Deregulierung, die Dominanz des Privateigentums gebracht. Diese Frage zwingt dazu, uns mit der öffentlichen Bedeutung des Begriffs Privateigentum auseinander zu setzen. Privateigentum ist ja kein privates Konzept, sondern ein öffentliches Konzept. Wir sind diejenigen, die das tun. Wir machen Gesetze, wir halten sie aufrecht oder verändern sie.
Im 21. Jhd sind wir derart vom Rechtspositivismus beeinflusst, dass es schwer geworden ist, an Rechte zu denken, die uns nicht von den Mächtigen gewährt wurden. Aber die Gewohnheitsrechte, die in beiden Chartas bestätigt wurden, wurden von niemandem gewährt, sondern sie wurden schlicht von den Leuten beansprucht. So war der König gezwungen, zu schützen, was sich die Menschen bereits genommen hatten.


„Die Tragik der Commons besteht für mich in der Tatsache, dass wir uns die Commons nicht mehr vorstellen können.“

Aus einem Vortrag von Prof. Louis E. Wolcher am 13. März 2009

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